Out of Rosenheim

Segelyacht "Out of Rosenheim"

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Unser Traum

Törn von Kroatien nach Lanzarote

„Wir kaufen schnell mal ein Boot und bringen es auf die Kanaren“.

Was zwei fast naive so erlebten. Diese Zeilen sollten nicht zur Abschreckung dienen, sondern nur erzählen was wir wirklich erlebt haben.

Gewidmet unseren Müttern Ella und Elsa.

Es ist soweit, unser Traum hat sich erfüllt, am 01.07.06 unterschreibt Werner den Kaufvertrag für die Alan Pape 39, (Länge 11,80m Breite 3.60m)ein cuttergetakeltes Stahlschiff mit Mittelcockpit, eine ältere Dame, Baujahr 1982 und zu Wasser gelassen 1986. Wer Anny Hill`s Buch „Mit kleinem Geld auf großer Fahrt“ gelesen hat, kann verstehen, dass auch wir ein zuverlässiges, seegängiges Boot ohne großen technischen Schnickschnack (der sowieso nie funktioniert und immer dann, wenn man ihn braucht, kaputt ist) suchten und wie wir jetzt wissen, gefunden haben.

Ich, wo ich doch am Wasser groß geworden bin, immer den Seglern auf der Havel zusah wie sie auf und ab segelten , kam eigentlich nie selbst auf die Idee einmal segeln zu lernen. Als ich nach Bayern zog erst recht nicht, war mit Ehe und Kindern beschäftigt. Bei der Neuordnung meines Lebens trat Werner in dieses und begeisterte mich für Klettern und Segeln. Da war es um mich geschehen.

Nach vielen Chartertörns mit Freunden beschlossen wir, unseren Wissenstand durch Schulung zu festigen. Unser erster Törn allein war toll und wir arbeiteten im Geiste immer mehr darauf hin ein eigenes Schiff zu besitzen und auf große Fahrt zu gehen. Um dieses zu verwirklichen, beschlossen wir, Werner 54 und ich 50, nach Lanzarote auszuwandern um durch selbständige Arbeit unser Ziel zu erreichen.

Belächelt wurden wir immer wieder, aber wer ein Ziel im Auge hat soll dieses auch behalten und sich nicht von anderen (Neidern?!?) beirren lassen. Nun ist Werner 63, seine Firma verkauft und wir sehen „unser Schiff“ im Internet. Es liegt in Kroatien. Werner fliegt hin und macht den Kauf perfekt. Eine Woche später bin ich auch da. Mein Geschäft bleibt für 8 Wochen geschlossen, da ich noch keinen Käufer gefunden habe. (Infos: Salon Annemarie.) Wir packen Proviant ein, müssen dann noch nach Zadar und dann kann es losgehen, zurück nach Lanzarote. Ach nein, wir müssen noch auf unser Sprayhood warten. Das leisten wir uns.

Ich liege im Salon und denke an die Leute zurück, die uns dies ausreden wollten, „bedenkt euer Alter, ihr seid nicht mehr so fit, was ist wenn ihr krank werdet, ihr seid doch in Deutschland versichert? Und und und. Dies sind die Zauderer, die so etwas oder Ähnliches auch gerne unternehmen würden, sich aber nicht trauen. Sie haben dann tausend Ausreden warum es für sie unmöglich ist dies zu unternehmen. Die anderen sind die Ängstlichen, die außerhalb ihres Ortes sowieso nichts unternehmen würden, ganz zu schweigen von einer Unternehmung, dessen Ausgang nicht gewiss ist.

Werner fuhr, eigentlich flog, mit dem Bargeld für den Schiffskauf nach Kroatien, „nein das ist viel zu gefährlich, was da alles passieren könnte!!“. Mein Vater pflegte zu sagen „wage es, aber wäge es vorher gut ab, dann gewinnst du“. Wenn wir unseren Traum nicht verwirklichen können, was wollen wir dann? Versauern? Nur Oma und Opa sein? Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber ist das alles? Muss man denn in dieser Gesellschaft ab einem gewissen Alter krank sein und am Krückstock gehen oder darf man noch mal das Leben so richtig genießen? Ich möchte allen Mut machen, den Weg zu gehen den man gehen möchte und sich nicht von Zauderern & Co. ablenken lassen. Natürlich sollte man nicht leichtfertig sein, alles in Ruhe bedenken und abwägen aber auch etwas riskieren. Man lebt nur einmal. Um es mit den Worten meiner Mutter zu sagen: „60 ist ein tolles Alter, egal was du tust, es heißt doch immer, na ja die spinnt“. Also spinnen wir auch und packen’s an.

Jetzt bin ich schon eine Woche in Sukosan und es wird Zeit, dass wir abhauen. Unser Sprayhood ist noch nicht fertig. Werner versucht Gas zu bekommen, was hier eigenartigerweise nicht so einfach ist. Woher haben die Charterflotten das Gas? Innerhalb der Marina und in Sukosan keine Chance! Unser Broker, dessen Aufgabe es sicher nicht ist, hilft uns Gas zu bekommen, welches wir in Zadar finden, nur Pech, dass der Anschluss, obwohl kroatische Flasche, nicht passt. Also noch mal nach Zadar und eine neue Flasche mit passenden Anschluss gekauft und wieder zurück zur Füllstation. Ein „Fachmann“ baut uns die neue Flasche samt neuem Anschluss ein. Gestern haben wir dann noch die Dichtigkeit der Luken und Bullaugen geprüft. Oh je, mehr Wasser innen als außen. Nach dem säubern und einfetten der Gummidichtungen noch mal Wasser marsch. Es kommt durchs Glas. Also Glas ausbauen.

Dann sehen wir es. Der Kitt, wir nehmen es an, dass es noch welcher ist, ist ausgetrocknet und bröselt. Also spezielles Silikon muss her, welch ein Wunder, dies gibt es im Nautik- Geschäft in der Marina. Also gekauft, alles ausgebaut, gesäubert, Silikon aufgetragen, Glas eingesetzt und wieder festgeschraubt. Morgen prüfen wir ob unsere Arbeit gut war. Nur gut, dass wir noch soviel Zeit haben. Auch die Luken müssen bei dieser „Dichtungsaktion“ dran glauben. Nach diesem „Dichtungstag“ beschlossen wir, uns Bier und Pizza zu genehmigen.

Warum soll alles glatt gehen, es wäre zu schön. Unser Typ mit dem Sprayhood ist vermutlich ein Gauner, jedenfalls ist er nicht zuverlässig. Man verweist uns extra auf die Firma Madex. Diese vereinbart ein Treffen in der Marina. Ein Herr begleitet Werner zum Schiff, nimmt Maß und kassiert 500 € als Anzahlung. In der Zwischenzeit haben wir festgestellt, da Werner noch mal bei der Firma Madex war, dass diese mit dem Auftrag nichts zu tun hat. Es gibt eine in der Marina nicht ansässige Firma Pinet, die für die Marina keine Konzession besitzt, aber trotzdem dort tätig ist und des Öfteren durch ihre Unzuverlässigkeit Probleme bereitet. Werner wird versuchen über die Marinaleitung Druck auf die Firma Pinet auszuüben, damit wir das Sprayhood oder unser Geld wieder zurückbekommen und wir es nicht aus dem Fenster geworfen haben, Wir werden nämlich von einem auf den anderen Tag vertröstet. Heute Mittwoch kein Ausklarieren, wir haben dies auf Freitag verschoben, da noch nicht alle Papiere da sind. Heute früh hat uns unser Broker den Versicherungsvertrag, der per E-Mail ankam, gebracht. Es lebe das Computerzeitalter, auch wenn ich manchmal darüber schimpfe.

Gerade schiebt sich eine dunkle Wolke vor die Sonne, es ist Gewitter angesagt. Heute Morgen weht ein heißes Lüftchen, sodass ich mich nach unseren angenehmen Nordwind bei uns auf Lanzarote sehne. Ich glaube Werner muss sich jetzt etwas stärken, es ist bereits 14:00 Uhr und er ist immer noch dabei die Wegpunkte der Route festzulegen.

Unser Boot ist dicht und unser Sprayhood soll heute auch fertig werden. Wir warten, aber leider vergeblich. Nach einem Telefonat seitens der Rezeption der Marina mit der Firma Pinet wird uns zugesichert, dass das Geld hinterlegt wird und wir es abholen können. Also kein Sprayhood, aber das Geld (Gott sei Dank) wieder zurück. Unter dem Strich gesagt, Finger weg von dieser Firma.

Werner stellt fest, dass er zwei gleiche Seekarten gekauft hat, dafür aber die Karte Brindisi – Crotone fehlt. Letzte Nacht legte ein unter Schweizer Flagge fahrendes Schiff in unserer Nachbarschaft an. Ich gehe hin und frage ob er vielleicht aus Richtung Italien komme und evtl. davon eine Karte habe. Der Eigner erzählt, dass er aus der französischen Schweiz sei und er über Italien und Griechenland nach Kroatien segelte. Er schenkt uns die noch fehlende Karte. Er wollte nichts annehmen und trank auch kein Bier oder Wein. Es ist einfach zu heiß, auch für einen guten Tropfen Roten. Wir werden uns gern an ihn erinnern. Inzwischen sind die restlichen Unterlagen der Versicherung sowie Werners Papiere angekommen. Werner macht alles klar und dann die Frage: Schlauchboot verstauen oder an Deck lassen. Das Schlauchboot wird am Achterdeck vertäut. Abfahrt am Freitag den 14.07.06 von Sukosan nach Zadar zum Zoll und zum ausklarieren. Das Schiff ist unter kroatischer Flagge registriert, also muss mithilfe eines Agenten das Schiff für die Ausfuhr, sprich Export, fertig gemacht werden. Nach dem Ausklarieren bei der Hafenbehörde kann’s losgehen. Von Zadar aus geht es direkt in Richtung Dugi Otok um so schnell wie möglich aufs offene Meer zu kommen. Wir fahren mit Motor, wegen fehlendem Wind und auch um die verlorene Zeit, wir kamen in Zadar erst mittags weg, einzuholen. Wir wollen noch bei Tageslicht aus dem Inselbereich heraus kommen. Gut, dass wir bei der Vorbereitung und beim Ausbildungstörn die Celastica Bucht und deren Einfahrt in und auswendig kennen gelernt haben. Sobald wir im offenen Gewässer sind setzen wir Segel und machen gute Fahrt, die jedoch nicht allzu lange dauert, da bald der Wind ständig die Richtung wechselt und wir den Kurs nicht mehr halten können. Also beschließt Werner in der Nacht den Motor anzuwerfen. Dabei stellen wir fest, dass die Batterien fast leer sind. Wir vergaßen den Kühlschrank auszumachen. Gegen acht Uhr morgens macht Werner den Jockl (Autopilot) an und ich lege mich ins Cockpit um zu schlafen. Werner erst später.

Wir sind nun weit draußen in der Höhe von Dubrovnik und motoren schon wieder. Dies war unsere erste Nacht auf See. Wir haben uns vorgenommen beide auf Wache zu gehen und abwechselnd im Cockpit zu schlafen, was den Vorteil bringt, dass bei Gefahrensituationen der zweite Mann (Frau) sofort einsatzbereit ist. Am nächsten Tag um 21:30 Uhr ist es mal wieder aus mit segeln. Der Wind kommt aus unterschiedlichen Richtungen, also Genua eingerollt, nur das Groß bleibt zur Stabilisierung stehen. Motor an. Die Nacht ist stockfinster und um 23:15 Uhr geht endlich der Mond auf, es ist nicht mehr so dunkel. Um ca. 22:30 Uhr ich glaube wir sind in der Höhe von Vis, kommt ein großes Schiff (Fähre?) auf uns zu. Wir haben die Positionslampen wegen Stromerparnis ausgeschaltet und nur den Blitzer an. Gut dass der Motor läuft und wir mit Vollgas wegfahren können. Er hat uns aber gesehen und strahlt uns mit seinen riesigen Scheinwerfern an und dreht leicht ab. Es ist ok, wir kommen schnell genug weg. Werner blinkt mit dem Handscheinwerfer zurück. Wir beschließen nun den Motor des Nachts mitlaufen zu lassen so lange so ein starker Schiffsverkehr herrscht und auch um die Batterien zu laden. Zwischendurch versuchen wir allerdings immer wieder zu segeln, sobald etwas Wind aufkommt. In Höhe Ancona kreuzt uns ein 52 Fuß Racer in Richtung Italien, der hat den richtigen Wind. Und wir? Aus mit der Dümpelei, Motor an. Wir richten uns für die Nacht ein, Wasser, Scheinwerfer, Fernglas. Werner geht ans Ruder. Die Wellen sind heftig und so gut wie kein Wind aber es ist warm. Kurze Hose und Fleecehemd sind genug. Nur ich habe eine dicke Jacke an, da ich doch etwas übermüdet bin und mir deshalb kalt ist. Ich liege mit angelegten Lifebelts im Cockpit und versuche zu schlafen als Werner anfängt zu fluchen. Das Ruder ist nur noch sehr schwer zu bewegen. Er will nach der Ursache sehen und deshalb übernehme ich. Nichts geht mehr, ich kann es nicht mehr bewegen. Übermüdet übernimmt Werner also wieder das Ruder. Immer wieder kommen die Wellen von achtern oder Backbord und schieben uns. Dadurch läuft das Schiff immer wieder aus dem Ruder. Wir können uns nicht erklären was es sein könnte. Als der Mond aufgeht, ich sehne mich richtig nach ihm, scheint das Meer nicht mehr ganz so bedrohlich. Das Ruder lässt sich im Moment wieder etwas leichter bewegen und ich übernehme es. Werner kann endlich schlafen. Damit wir ausgeruhter sind, beschließen wir, dass jeder nur eine Stunde Wache geht. Ich habe Werner länger schlafen lassen, er hat es nötig. Wenn ich am Ruder stehe bzw. sitze, dann sehen die Wellen nicht so groß aus und ich rede mit meiner „Lady“. Diesen Kosenamen habe ich unserem Schiff in der ersten Nacht gegeben und sie hört darauf. In dieser Nacht heißt es aufpassen. Es herrscht reger Schiffsverkehr. Wir fahren parallel zum Verkehrstrennungsgebiet, ca. 60 Meilen von der Küste entfernt. Mitten in der Adria sehen wir ein Felsmassiv, das in der Karte mit Palagruza bezeichnet ist. Da das Ruder wieder etwas leichter geht hat Werner den Jockl angemacht. Als es hell wird und leichter Wind aufkommt wollen wir die Genua setzen, dabei bemerkt Werner dass die Genuaschot im Wasser hängt. Als er sie rausziehen will ist sie fest und lässt sich nicht bewegen. Wir ahnen Böses. Das also ist die Ursache der Schwergängigkeit. Sofortige Richtungsänderung und Brindisi ansteuern. Werner nimmt die restliche Schot und sichert sie an der Klampe, damit sie nicht noch weiter rein gezogen wird und womöglich dabei die Genua aufzieht.

Bei der Ansteuerung von Brindisi von Norden her, ist es ratsam, wie die großen Schiffe, weit raus zu fahren, bis man die Betonnung sehen kann. Ist man zu dicht unter Land, kommt man in der Nähe der Mole in eine unangenehme Kreuzsee. Wir lassen eine Fähre passieren, folgen ihr bis wir die innere Betonnung sehen, die die Marinaeinfahrt anzeigt. Man hat uns schon gesehen und kommt uns mit einem Boot entgegen. Wir wollten eigentlich erst ankern, überlegen es uns aber anders und fahren doch an den Steg, der uns zugewiesen wird. Unser Anlegemanöver endet damit, dass wir unseren Anker verlieren, der Schekel hat sich gelöst und mit unserem Bug rammen wir den Anlegesteg und zerkratzen die Strom und Wassersäule. Warum? Das Ruder blockiert wieder und die Windböen, die uns kräftig anschieben, besorgen den Rest. Das Personal der Marina bleibt ruhig und gelassen und hilft uns längsseits zu gehen. Wir erklären unser Problem und bestellen gleich für Montag einen Taucher. Dieser ist nämlich bereits im Wochenende. Unser Schiff hat (Gott sei Stahl) „nur“ eine Schramme und eine kleine Beule. Vier Fender versuchen nun unser Schiff abzufendern und sind vor lauter Windböen fast platt.

Nächster Tag: Morgens um sechs, kontrolliere ich noch mal die Festmacher. Ein Fender hat sich schon fast aus der Umklammerung Schiff – Steg befreit. Also schnappe ich ihn mir und bringe ihn sofort zurück auf seinen Posten. Werner schläft den Schlaf des Gerechten und ich lege mich auch noch mal hin.

Mittags kommt der Taucher. Was er aus dem Ruder und der Schraube holt, treibt uns die Farbe aus dem Gesicht. Was wir für ein Glück hatten. Alle Schutzengel waren wohl für die „Out of Rosenheim“ abkommandiert. Wenn ich mir vorstelle was alles hätte passieren können. Nach ca. zwei Stunden Suche nach dem Anker meint der Taucher, dass er wohl im Schlamm versunken ist. Na ja, ich glaub es ihm und denke mir meinen Teil dabei. Nach der „Siesta“ versuchen wir in der Stadt einen neuen Anker zu bekommen. Den Tipp bekommen wir von dem Taucher. Gehört er zur „Familie“? Nach unserem Schock gehen wir im Marina Restaurant Essen. Kein Touristenessen, sondern feine italienische Küche. Uns schmeckt es hervorragend. Leicht benebelt von dem guten Rotwein fallen wir in die Kojen. Ach ist das schön.

Am Dienstag den 18.07. gegen 14:00 Uhr, Abfahrt von Brindisi. Wir haben in einem kleinen Minimarkt in der Nähe der Marina, an der Bushaltestelle der Linie 4, gutes Brot und guten Käse gekauft. In der Marina gibt es kein Lebensmittelgeschäft. Dieser kleine Markt mit Bäckerei, ab 10:30 Uhr gibt es frisches knuspriges Weißbrot, ist die einzige Möglichkeit in unmittelbarer Nähe seine Vorräte aufzufüllen.

Unser Freund Manfred hatte uns per Handy das Wetter durchgesagt. Lassen wir uns Überraschen. Wir kommen gut voran. Die Nacht ist stockdunkel und der Mond geht heute erst sehr spät auf. Mein Problem: Werner muss wieder länger am Ruder stehen, da ich bei so dunklen Nächten, trotz Kompass, Orientierungsschwierigkeiten habe. Nur gut, dass wir ein Logbuch führen, sonst würde ich mit den Tagen auch noch durcheinander kommen. Aber eines der schönen Dinge beim Segeln ist, dass man „zeitlos“ lebt und nicht der Hetze des Alltags unterliegt.

Angekommen in der Straße von Messina, wollen wir nicht gleich einfahren, da es zu sehr stürmt. Wir queren diese in Richtung Sizilien und segeln auf Anraten von Freunden nach Taormina, das allerdings auf unserer Karte nicht verzeichnet ist. Dort werden wir erst mal ausschlafen, wir waren schließlich drei Tage und drei Nächte unterwegs und fanden kaum Schlaf, da unser Jockl kurz nach Brindisi seinen Dienst versagte. Wir stellten es uns nicht so schwierig vor, ohne den Automaten zu segeln. Es ist zu zweit wirklich anstrengend und nicht einfach. Das große Problem im Mittelmeer ist nicht die Großschifffahrt, sondern die Fischer. Sie legen kreuz und quer ihre Netze, sind daher, trotz Radar, unberechenbar in ihrer Bahn.

Wir queren also die Straße von Messina und es ist bereits dunkel. Es ist schon ein atemberaubender Anblick, wenn man die flüssige Lava dunkelrot und zähflüssig den Hang des Ätna runter fließen sieht. Die Lichter der Dörfer und Städte an den dunklen Abhängen sehen aus wie ein sternenübersäter Nachthimmel. Schön anzusehen, aber wenn man eine Hafeneinfahrt sucht, sehr irritierend. So irritierend, dass wir diese tatsächlich nicht finden. Schließlich geben wir es auf und fahren auf und ab, bis es hell wird. Ein Fischer, den wir am nächsten Morgen fragen, sagt uns wir müssen noch weiter nach Süden. Also beschließt Werner, dass dies keinen Sinn hat und wir drehen um. Wir bolzen gegenan und Werner meint, falls Wind und Welle zu stark werden, motoren wir nach Reggio de Calabria. Wir waren immer noch auf der sizilianischen Seite und müssen erst die Straße queren. Doch plötzlich sehen wir bereits den Blitzer von St. Pezza. Also weiter. Und das war’s. Ein Klacks. Wie wir jetzt nachträglich feststellen können, waren wir in der Nacht, in der das Meer spiegelglatt war, schon so weit nördlich, dass wir auch durchfahren hätten können. Es wäre kein Problem gewesen, die Großschifffahrt ist nämlich während der Nacht eingestellt.

Wir suchen uns einen Ankerplatz um endlich zu schlafen. Wollen aber in der nächsten Nacht nach Sardinien aufbrechen. Wollen, sind aber nicht. Ich bemerke, dass die Polster der Bugkabine durchnässt sind. Keine Ahnung woher. Vielleicht ist die große Luke nicht dicht gewesen. Nasse Polster und ein wunderschöner Sonnentag. Es fällt uns leicht noch einen Tag länger zu bleiben um die Polster zu trocknen. Ach, tut das Ausruhen gut. Wir sitzen im Cockpit und genießen die Aussicht. Auf den Berghügeln gibt es eigenartige Baumgruppen. Werner meint, diese sehen aus wie zwei Dinos, die um ein Weibchen kämpfen. Das Weibchen steht daneben und sieht zu. Einige Bäume sind dazwischen. Ein Urpferd steht da und weidet, neben ihm ein weiterer Dino. Von einem jungen Dino sieht man nur den Rücken. Gerade geht die Sonne unter und die Gruppe hebt sich plastisch vom Hintergrund ab. Wir haben keinen Wein getrunken und sitzen auch nicht benebelt im Cockpit.


Ankerplatz nach der Strasse von Messina

Wir räumen auf und packen die ersten Seekarten ein. Es ist ein gutes Gefühl was wir schon geschafft haben. Ich muss sagen die ersten Tage, nein Nächte, haben uns am meisten geschlaucht. Jetzt haben wir unseren Rhythmus gefunden. Werner hat beim Durchchecken des Motors ein eigenartiges Geräusch gehört. Hoffentlich ist es kein ernstes Problem. Wir schauen morgen noch mal nach. Am nächsten Tag, beim Anlassen des Motors, können wir kein Geräusch mehr hören.

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